Buchempfehlung: Das Museum der Stille

IMG_1769Titel: Das Museum der Stille
Autor: Yoko Ogawa
Veröffentlicht: 2013
Verlag: atb Aufbau Taschenbuch
Seiten: 308
Serie: Nein

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Ein junger Mann kommt im Auftrag einer alten Dame in ein abgelegenes Dorf, wo er ein Museum einrichten soll, eine Sammlung vermeintlich alltäglicher Dinge. Bald jedoch entdeckt er, dass die Gegenstände von der Dame gestohlen wurden, um die Erinnerung an verstorbene Dorfbewohner zu bewahren. Als er selbst beginnt, die Erinnerungsstücke nachzujagen, wird eine Frau ermordet –  und er verdächtigt.

Ogawa hat einen faszinierenden Roman geschrieben, in dem die Grenzen zwischen Realität und Imagination verschwimmen (Quelle: Klappentext).

Die exzentrische alte Dame geht auf die Hundert zu. Für ihr Lebenswerk engagiert sie einen jungen Mann. Gemeinsam möchte sie mit dessen Hilfe ein Museum aufbauen. Das Museum der Stille. Ausgestellt werden alltägliche und auch skurille Gegenstände. Der rote Faden der Ausstellung ist die Erinnerung an die Verstorbenen eines kleinen Dorfes. Wo es liegt, bleibt unbekannt. Die Figuren tragen alle keine Namen.

Die alte Dame sammelt allerdings keinen Krimskrams oder Schrott. „Statt dessen suche ich ein Zeugnis für die zweifelsfreie Existenz einer Person, das möglichst lebendig und naturgetreu an sie erinnert. Ohne einen solchen Gegenstand bleibt ihr Tod für alle Ewigkeit unvollendet, und all die Jahre ihres Lebens hätten damit ihren Sinn verloren.“ Unter den Sammelstücken der alten Dame gehören etwa ein Diaphragma einer Prostituierten, ein Glasauge eines alten Mannes sowie ein Skalpell eines Arztes zur Verkleinerung von Ohren.

Der junge Mann soll nun der alten Dame bei der Beschaffung der Exponate helfen. Um ihre Idee vom Museum der Stille zu verwirklichen, stellt sie ihn zur Katalogisierung der Sammelstücke sowie zur Eintreibung weiterer Exemplare an. Sobald jemand stirbt, beschäftigt sich der junge Mann damit ein besonderes Erinnerungsstück des Toten zu stehlen. Einfach ist das in den meisten Fällen nicht. Besonders aus dem einfachen Grund, dass der junge Mann die Verstorbenen gar nicht kennt und erst deren Geschichte in Erfahrung bringen muss. Desweiteren geschehen im Ort mysteriöse Morde an Frauen. Bei jeder Frau werden die Brustwarzen abgeschnitten. Der junge Mann gerät unter Verdacht.

Wenn man sich auf das Museum der Stille einlässt, erschließt sich einem eine geheimnisvolle und magische Welt. Ogawa schreibt nüchtern, absurd und kühl. Die Geschichte ist an einigen Stellen richtig schön schaurig. Ganz still und leise verbreitet sich über einen ein Hauch von Gänsehaut. Offen bleibt die Frage: Was bleibt, wenn ein Mensch stirbt? Das Museum der Stille stetzt viel Kraft auf die Wichtigkeit von Erinnerungen und das Leben Einzelner. Der Roman von Ogawa wird selbst zu einem Museum. Wer den Eintritt wagt, kann bis zur letzten Seite eine schaurige Stille erleben. Yoko Ogawa gehört zu eine der Perlen der japnischen Literatur.

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